Spargemeinschaft online: So läuft sie, das sind die Risiken

„Spargemeinschaft online“ kann sehr Verschiedenes bedeuten. Eine Frage entscheidet fast alles: Wer hält das Geld zwischen den Auszahlungen?

  • Eine Spargemeinschaft online bleibt eine Spargemeinschaft (ROSCA, Tontine, Tanda, Susu): Alle zahlen in jeder Runde denselben Betrag, und ein Mitglied bekommt den Topf, bis alle einmal dran waren.
  • Es gibt drei seriöse Formate: einen Gruppenchat, in dem das Geld zwischen den Mitgliedern fließt, eine App, die nur das Kassenbuch führt, und eine Plattform, die das Geld selbst einsammelt und auszahlt.
  • Eine Plattform, die euer Geld verwahrt, erbringt einen regulierten Dienst. In Deutschland braucht sie (oder ihr Zahlungspartner) eine Erlaubnis der BaFin oder eine Zulassung in einem anderen EU-Land; in Großbritannien muss sie im FCA-Register stehen, in den USA bei FinCEN registriert sein.
  • Geld bei einem Zahlungs- oder E-Geld-Institut fällt nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung für Bankguthaben; es muss stattdessen getrennt abgesichert sein. In Großbritannien gilt dasselbe für den FSCS.
  • Finger weg von jeder „Spargemeinschaft“, die verspricht, dass du mehr herausbekommst, als du einzahlst, oder die davon lebt, neue Mitglieder anzuwerben. Das ist ein Schneeballsystem.

Was „Spargemeinschaft online“ wirklich bedeutet

Die Grundmechanik ändert sich online nicht; unser globaler Ratgeber zu Spargemeinschaften erklärt sie. Was sich ändert: wohin das Geld fließt und wer Buch führt.

FormatWohin das Geld fließtWer das Kassenbuch führtWorauf du achten musst
WhatsApp- oder Telegram-GruppeVon Mitglied zu Mitglied oder über die Person, die organisiert (Überweisung, Bezahl-App, bar)Die Person, die organisiert, meist irgendwo im ChatverlaufZahlungsbelege gehen im Verlauf unter
App fürs KassenbuchWie oben: Die App berührt das Geld nieDie App, für die Gruppe sichtbarDie Mitglieder zahlen weiterhin selbst
Plattform, die einsammeltAuf das Konto der Plattform, dann an die Person, die dran istDie PlattformZulassung und Schutz der Gelder
Falsche Spargemeinschaft (Schneeballsystem)Nach oben in der PyramideNiemand, oder eine manipulierte ListeVersprochene Gewinne, Pflicht zum Anwerben

WhatsApp- oder Telegram-Gruppe

Wohin das Geld fließtVon Mitglied zu Mitglied oder über die Person, die organisiert (Überweisung, Bezahl-App, bar)

Wer das Kassenbuch führtDie Person, die organisiert, meist irgendwo im Chatverlauf

Worauf du achten musstZahlungsbelege gehen im Verlauf unter

App fürs Kassenbuch

Wohin das Geld fließtWie oben: Die App berührt das Geld nie

Wer das Kassenbuch führtDie App, für die Gruppe sichtbar

Worauf du achten musstDie Mitglieder zahlen weiterhin selbst

Plattform, die einsammelt

Wohin das Geld fließtAuf das Konto der Plattform, dann an die Person, die dran ist

Wer das Kassenbuch führtDie Plattform

Worauf du achten musstZulassung und Schutz der Gelder

Falsche Spargemeinschaft (Schneeballsystem)

Wohin das Geld fließtNach oben in der Pyramide

Wer das Kassenbuch führtNiemand, oder eine manipulierte Liste

Worauf du achten musstVersprochene Gewinne, Pflicht zum Anwerben

So funktioniert eine Plattform für Spargemeinschaften

Plattformen, die das Geld einsammeln, folgen meist denselben Schritten:

  1. Anmeldung und Identitätsprüfung, ähnlich wie bei der Eröffnung eines Zahlungskontos.
  2. Einer Spargemeinschaft beitreten oder eine gründen: Betrag, Rhythmus, Anzahl der Mitglieder, Auszahlungsreihenfolge (fest, zufällig oder gewählt).
  3. Automatischer Einzug jedes Beitrags per Karte oder vom Bankkonto.
  4. Auszahlung des Topfs an die Person, die in dieser Runde dran ist.
  5. Gebühren: ein Prozentsatz, ein Abo oder ein Festbetrag, je nach Plattform. Gebühren schmälern, was alle zurückbekommen.

Manche Plattformen versprechen, für ein Mitglied einzuspringen, das nicht mehr zahlt; andere nicht. Das ist die wichtigste Frage, die du stellen solltest, zusammen mit der nach der Zulassung der Plattform.

Nehmen wir eine Spargemeinschaft mit 8 Mitgliedern, die je 100 € im Monat zahlen. Ohne Gebühren zahlt jedes Mitglied 800 € ein und bekommt einen Topf von 800 €. Mit 2 % Gebühr auf jeden Beitrag zahlt jedes Mitglied weiterhin 800 € ein, aber der Topf sinkt auf 784 € (800 € − 16 €): Über den ganzen Zyklus zahlt jede Person 16 €. Das kann für den Service fair sein, aber vergleich es damit, die Spargemeinschaft selbst zu organisieren.

Manche Programme in den USA, etwa gemeinnützige Lending Circles, melden die Zahlungen zusätzlich an Auskunfteien. Eine klassische Spargemeinschaft taucht in Deutschland dagegen nicht bei der SCHUFA auf; mehr dazu im Ratgeber zu Spargemeinschaften.

Die echten Vorteile

  • Erinnerungen und automatische Zahlungen: weniger Verspätungen und weniger peinliches Nachhaken unter Freunden.
  • Ein Beleg für jede Zahlung: Schluss mit „Ich hab doch gezahlt!“ ohne Nachweis.
  • Mitglieder, die weit auseinander wohnen: Eine Familien-Spargemeinschaft zwischen Hamburg, Lagos und Paris funktioniert, ohne dass jemand Bargeld mit sich herumträgt.
  • Weniger Bargeld in der Hand: Die Person, die organisiert, bewahrt keinen großen Topf mehr zu Hause auf.

Die Risiken, eins nach dem anderen

1. Wer das Geld hält. Das ist der wichtigste Punkt. Ein Unternehmen, das eure Beiträge annimmt und an jemand anderen auszahlt, erbringt einen Zahlungsdienst.

  • Deutschland: Zahlungs- und E-Geld-Institute brauchen eine Erlaubnis der BaFin nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz oder eine Zulassung in einem anderen EU-Land, mit der sie hier tätig sein dürfen. Such das Unternehmen vor der ersten Zahlung in der Unternehmensdatenbank der BaFin.
  • Großbritannien und USA: In Großbritannien müssen Zahlungs- und E-Geld-Firmen von der Financial Conduct Authority zugelassen oder registriert sein, nachzuschlagen im Financial Services Register oder mit dem FCA Firm Checker. In den USA müssen sich Money Transmitter bei FinCEN registrieren, der Stelle des Finanzministeriums gegen Finanzkriminalität, und die Bundesstaaten haben eigene Lizenzregeln.

Eine Plattform, die nicht sagen will, wer die Gelder verwahrt, sollte dein Geld nicht bekommen.

2. Was passiert, wenn die Plattform pleitegeht. In Deutschland schützt die gesetzliche Einlagensicherung Guthaben bis 100.000 € pro Kunde und Bank, aber eben nur Einlagen bei Banken, nicht Geld bei Zahlungs- oder E-Geld-Instituten. Diese müssen Kundengelder stattdessen absichern: getrennt vom eigenen Vermögen, etwa auf einem Treuhandkonto bei einer Bank, oder über eine Versicherung oder vergleichbare Garantie. Die britische Finanzaufsicht FCA, für deren Markt der Einlagensicherungsfonds FSCS ebenfalls nicht greift, weist darauf hin, dass du selbst dann womöglich nicht alles zurückbekommst und es dauern kann. Frag, wie deine Beiträge zwischen Einzug und Auszahlung geschützt sind.

3. Das Mitglied, das nicht mehr zahlt. Das ist das Risiko jeder Spargemeinschaft, online oder nicht: Wer den Topf früh bekommt, zahlt vielleicht nicht weiter. Lies nach, wer diesen Verlust trägt: die Plattform, eine Versicherung oder die anderen Mitglieder. In einer Spargemeinschaft unter Bekannten ist es ein einfacher Schutz, Neue ans Ende der Reihenfolge zu setzen.

4. Falsche Spargemeinschaften. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC warnt vor Online-„Sparclubs“, die versprechen, weit mehr auszuzahlen, als du einzahlst, und davon leben, neue Mitglieder anzuwerben. In Deutschland kennt man solche Systeme als „Schenkkreise“. Eine echte Spargemeinschaft zahlt nie mehr aus, als die Mitglieder einzahlen: Jede Person bekommt genau das zurück, was sie eingezahlt hat, abzüglich etwaiger Gebühren.

5. Die Regeln. Eine App ersetzt keine schriftlichen Regeln zu Verspätungen, Austritten und Ersatzleuten. Unser Ratgeber, wie du eine Spargemeinschaft organisierst, enthält eine Regelvorlage auf einer Seite und ein freundliches Vorgehen bei säumigen Zahlern.

Was du vor dem Beitritt prüfen solltest

Vor deinem ersten Beitrag
  • Ich weiß, ob die App nur Buch führt oder das Geld verwahrt
  • Wenn sie das Geld verwahrt: Sie (oder ihr Zahlungspartner) steht in der Unternehmensdatenbank der BaFin, im FCA-Register oder auf der MSB-Liste von FinCEN
  • Ich weiß, wie mein Geld geschützt ist, falls die Plattform pleitegeht
  • Die Gebühren stehen schriftlich fest, als Betrag oder Prozentsatz, für den ganzen Zyklus
  • Ich weiß, wer zahlt, wenn ein Mitglied ausfällt
  • Niemand verspricht mir, dass ich mehr zurückbekomme, als ich einzahle
  • Die Regeln der Gruppe sind aufgeschrieben und von allen akzeptiert
Bleibt eine Plattform bei einem dieser Punkte vage, schick kein Geld, bis sie schriftlich antwortet.

Online ohne Plattform: das gemeinsame Kassenbuch

Viele Gruppen brauchen keinen Dritten, der das Geld anfasst. Sie brauchen ein klares Kassenbuch, das alle sehen. Die einfachste Lösung:

  • die Beiträge fließen wie immer: per Überweisung, Bezahl-App oder als Bargeld von Hand zu Hand;
  • ein gemeinsames Kassenbuch hält fest, wer gezahlt hat, wie viel, wann und wer in dieser Runde dran ist;
  • jedes Mitglied sieht denselben Stand auf dem eigenen Handy.

Kein zusätzlicher Vermittler fasst das Geld an, es gibt keine Plattformgebühren, und das Kassenbuch ist euer Beleg, falls es Streit gibt.

Familien-Spargemeinschaft Hamburg–Lagos–Paris, Runde 4 von 8
AdaezeRunde 1ChidiRunde 2NgoziRunde 3EmekaRunde 4IfeomaRunde 5TundeRunde 6KemiRunde 7ObinnaRunde 8Topf800 €
  • erhält diese Runde
  • hat gezahlt
  • hat noch nicht gezahlt
Emeka ist in dieser Runde dran. Obinna in Paris hat seine 100 € noch nicht geschickt: Die Erinnerung geht heute raus, wie es die Regeln vorsehen.

Das Kassenbuch deiner Spargemeinschaft in Binome360

Binome360 führt das Kassenbuch deiner Spargemeinschaft: Mitglieder in Auszahlungsreihenfolge, Beiträge abgehakt (du kannst einfach schreiben „Adaeze und Ngozi haben gezahlt“), der Topf ausgerechnet, und wer in dieser und in der nächsten Runde dran ist. In einem gemeinsamen Assistenten sehen alle eingeladenen Mitglieder denselben Stand; für alle anderen erstellt der Button „Share the status“ (Status teilen) eine Nachricht, die du direkt in die WhatsApp-Gruppe einfügst. Die App sammelt kein Geld ein und bewegt keins: Die Beiträge laufen weiter per Überweisung, Mobile Money oder bar. Gespeichert wird erst, wenn du bestätigst.

Zahlungen in einem Satz abhaken
Mein AssistentBinome360

Familien-Spargemeinschaft: Adaeze, Chidi, Ngozi, Emeka, Ifeoma, Tunde und Kemi haben ihre 100 € für Runde 4 gezahlt

Hier das Update: 7 von 8 Zahlungen für Runde 4, der Topf steht bei 700 € von 800 €. Obinna muss noch zahlen. Emeka ist in dieser Runde dran, Ifeoma in der nächsten. Speichern?

Runde 4 von 8700 € / 800 €Empfänger: Emeka · Ausstehend: ObinnaBestätigenBearbeiten

Vor dem Bestätigen kannst du auch gleich eine Erinnerung für Obinna anlegen.

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Schreib, wer gezahlt hat; dein Assistent bereitet das Update vor, und du bestätigst. Das Geld selbst läuft nie über die App.

  • Mitglieder in Auszahlungsreihenfolge, Zahlungen in einem Satz abgehakt
  • Der Topf ausgerechnet, mit Empfänger dieser und der nächsten Runde
  • Ein gemeinsamer Assistent, damit alle Mitglieder denselben Stand sehen
  • Erinnerungen für den Beitragstag
7 Tage kostenlos testen

Häufige Fragen

Sind Online-Spargemeinschaften legal?

Eine Spargemeinschaft unter Menschen, die sich kennen, bei der das Geld direkt zwischen den Mitgliedern fließt, braucht kein Zahlungsunternehmen. Ein Unternehmen, das das Geld der Mitglieder einsammelt und auszahlt, erbringt dagegen einen regulierten Dienst: In Deutschland braucht es eine Erlaubnis der BaFin oder eine Zulassung aus einem anderen EU-Land, in Großbritannien muss es im FCA-Register stehen, und in den USA muss es bei FinCEN registriert und je nach Bundesstaat lizenziert sein.

Woran erkennst du Betrug bei einer Online-Spargemeinschaft?

Drei Warnsignale: Dir wird mehr versprochen, als du einzahlst, du musst neue Mitglieder anwerben, um ausgezahlt zu werden, oder die Plattform sagt nicht, wer das Geld verwahrt. Die Warnungen der FTC vor dem „Blessing Loom“ und ähnlichen Systemen beschreiben genau dieses Muster.

Ist mein Geld in einer Spargemeinschafts-App geschützt?

Bei einem Zahlungs- oder E-Geld-Institut greift die gesetzliche Einlagensicherung nicht; das Geld muss stattdessen getrennt abgesichert sein. Die britische FCA, wo der FSCS solche Firmen ebenfalls nicht abdeckt, warnt, dass bei einer Pleite trotzdem ein Teil verloren gehen kann. Frag jede Plattform vor dem Beitritt, wie sie die Gelder schützt.

Geht eine Spargemeinschaft online auch ohne Plattform?

Ja. Die Zahlungen laufen per Überweisung, Bezahl-App oder bar, und ein gemeinsames Kassenbuch hält jede Zahlung und die Auszahlungsreihenfolge fest. Genau das macht Binome360, ohne das Geld je anzufassen.

Kurz gesagt

Eine Spargemeinschaft online kann einer Gruppe das Leben leichter machen, solange ihr wisst, wer das Geld hält. Ist es eine Plattform, prüft ihre Zulassung und wie die Gelder geschützt sind; ist es die Gruppe, führt ein klares, gemeinsames Kassenbuch. Und keine echte Spargemeinschaft zahlt je mehr aus, als die Mitglieder einzahlen.

Erster Schritt: Wenn du schon in einer Online-Spargemeinschaft bist, such die Plattform oder ihren Zahlungspartner noch heute in der Unternehmensdatenbank der BaFin, im FCA-Register oder in der MSB-Suche von FinCEN.

Quellen

  • Financial Conduct Authority, „Using payment service providers“ (FSCS, Absicherung von Kundengeldern, was bei einer Pleite passiert): fca.org.uk.
  • Financial Conduct Authority, „How to check a firm or individual is authorised“: fca.org.uk; für Deutschland: Unternehmensdatenbank der BaFin und § 17 Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (Sicherung von Kundengeldern).
  • FinCEN, „Money Services Business (MSB) definition“ und Registrierungspflicht: fincen.gov.
  • Federal Trade Commission, „Real or fake savings club?“, 2020: consumer.ftc.gov.

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