Die kurze Antwort
- Wie viel: Für den Notgroschen empfiehlt die Verbraucherzentrale zwei bis drei Monatsgehälter, der britische Dienst MoneyHelper drei bis sechs Monate an notwendigen Ausgaben. Die US-Verbraucherschutzbehörde CFPB rät, dich daran zu orientieren, was dich frühere Notfälle gekostet haben.
- Erstes Etappenziel: 1.000 €. Nur 63 % der Erwachsenen in den USA könnten eine Überraschung von 400 $ mit Bargeld oder Gleichwertigem bezahlen (Federal Reserve, 2025).
- Wo: auf einem separaten Tagesgeldkonto bei einer Bank mit Einlagensicherung: In der EU sind 100.000 € pro Person und Bank gesetzlich geschützt.
- Wie: ein Dauerauftrag am Zahltag, so klein er auch ist, und Etappenziele unterwegs.
- Nach dem Griff in die Reserve: Auffüllen geht vor jedem anderen Sparziel.
Was ein Notgroschen ist, und was nicht
Ein Notgroschen ist Geld, das du für eine unerwartete Ausgabe zurücklegst, die jetzt bezahlt werden muss: ein Jobverlust, eine dringende Reparatur, eine Arztrechnung, eine Autopanne. Er ist dein Puffer zwischen einer schlechten Woche und Schulden, die dich monatelang begleiten.
Er ist keine Urlaubskasse, und aus ihm sollten weder die Verlängerung der Kfz-Versicherung noch die Schulsachen bezahlt werden. Diese Kosten sind vorhersehbar. Sie kommen jedes Jahr wieder. Zahlst du sie aus dem Notgroschen, schrumpft er, ohne dass je ein Notfall eintritt, und an dem Tag, an dem die Therme den Geist aufgibt, ist nichts mehr da. Vorhersehbare Kosten bekommen eigene Töpfe, sogenannte Rücklagen.
Unser Ratgeber Geld sparen behandelt den Notgroschen als Schritt eins. Dieser Artikel geht weiter: die genaue Rechnung, wo das Geld liegen sollte, wie du es Monat für Monat aufbaust und wie du es nach einem harten Schlag wieder auffüllst.
Warum er zuerst kommt: Zahlen zur finanziellen Verwundbarkeit
Ohne Puffer wird jede Überraschung zum Dispo, zu einem monatelang mitgeschleppten Kreditkartensaldo oder zu einem Kredit bei der Familie. Die Daten zeigen, dass das häufig vorkommt, nicht am Rand.
- USA. Die Haushaltsbefragung SHED 2025 der US-Notenbank, veröffentlicht im Mai 2026, ergab, dass 63 % der Erwachsenen einen hypothetischen Notfall von 400 $ komplett mit Bargeld, Ersparnissen oder einer Kreditkarte bezahlen würden, die sie mit der nächsten Abrechnung ausgleichen, genauso viele wie 2024. Von den übrigen würden 15 % die Kreditkarte nutzen und in Raten abzahlen, 10 % sich Geld bei Freunden oder Familie leihen, und 12 % aller Erwachsenen könnten ihn auf keinem Weg bezahlen. Nur 55 % hatten Rücklagen für drei Monate Ausgaben: 21 % der Erwachsenen mit weniger als 25.000 $ Einkommen, gegenüber 75 % derjenigen mit mindestens 100.000 $.
- Großbritannien. Die Befragung Financial Lives 2024 der Finanzaufsicht FCA (17.950 Erwachsene, Feldphase Februar bis Juni 2024) ergab, dass 9 % der Erwachsenen, rund 4,6 Millionen Menschen, ihre Lebenshaltungskosten höchstens eine Woche lang decken könnten, wenn das Haupteinkommen des Haushalts wegfiele. 10 % hatten gar keine Ersparnisse, weitere 21 % weniger als 1.000 £. Insgesamt hatten 24 % der Erwachsenen im Land (13,1 Millionen) eine geringe finanzielle Widerstandskraft.
Wie viel Notgroschen du brauchst: Richtwerte und Rechnung
Eine amtliche Zahl gibt es nicht, nur Faustregeln:
- Verbraucherzentrale (Deutschland): ein Puffer von zwei bis drei Monatsgehältern, am besten auf einem Tagesgeldkonto. Wie groß er wirklich sein sollte, hängt von deiner Lage ab.
- MoneyHelper (Großbritannien) und CFPB (USA): MoneyHelper empfiehlt drei bis sechs Monate an notwendigen Ausgaben auf einem jederzeit verfügbaren Konto; sein eigenes Beispiel: Wer im Monat 1.000 £ für Miete oder Kredit, Essen, Heizung und andere unverzichtbare Dinge ausgibt, peilt 3.000 bis 6.000 £ an. Die CFPB nennt keine feste Zahl, rät, dir die häufigsten unerwarteten Kosten der Vergangenheit anzusehen, und betont, dass schon ein kleiner Betrag Sicherheit gibt.
Starte mit einer Liste deiner notwendigen Monatskosten: Wohnen, Energie, Lebensmittel, Versicherungen, Weg zur Arbeit, Mindestraten für Kredite, Kinderbetreuung. Lass Essen gehen, Streaming und Urlaub weg; die würdest du in einer Krise streichen.
| Person | Notwendige Kosten / Monat | 3 Monate | 6 Monate |
|---|---|---|---|
| Jonas, Köln (mit Auto) | 2.000 € | 6.000 € | 12.000 € |
| Aylin, Leipzig | 1.400 € | 4.200 € | 8.400 € |
| Marco und Ana, München (Paar) | 3.500 € | 10.500 € | 21.000 € |
Jonas, Köln (mit Auto)
Notwendige Kosten / Monat2.000 €
3 Monate6.000 €
6 Monate12.000 €
Aylin, Leipzig
Notwendige Kosten / Monat1.400 €
3 Monate4.200 €
6 Monate8.400 €
Marco und Ana, München (Paar)
Notwendige Kosten / Monat3.500 €
3 Monate10.500 €
6 Monate21.000 €
Peil eher das obere Ende an, wenn:
- dein Einkommen schwankt (freiberuflich, Plattformarbeit, Provision, Saisonarbeit);
- du allein verdienst oder Kinder oder andere Angehörige versorgst;
- es in deinem Beruf meist Monate dauert, einen neuen Job zu finden;
- du Dinge besitzt, die teuer zu reparieren und schwer zu ersetzen sind, etwa ein Auto, das du für die Arbeit brauchst, oder eine eigene Wohnung.
Wer allein zur Miete wohnt, einen sicheren Job im öffentlichen Dienst hat und kein Auto braucht, kann gut am unteren Ende bleiben.
Wo der Notgroschen liegen sollte
Drei Kriterien, in dieser Reihenfolge: verfügbar (du kommst innerhalb von ein, zwei Tagen dran), sicher (kein Risiko, Geld zu verlieren) und getrennt von deinem Alltagskonto, damit du ihn nicht aus Versehen ausgibst. Die Zinsen kommen zuletzt, aber es gibt keinen Grund, das Geld auf einem Konto ohne Zinsen liegen zu lassen.
- Deutschland und Österreich: ein Tagesgeldkonto bei einer Bank mit gesetzlicher Einlagensicherung, die in der EU Guthaben bis 100.000 € pro Person und Bank schützt; viele deutsche Banken sind zusätzlich über freiwillige Sicherungssysteme abgesichert. Festgeld ist ebenfalls geschützt, bindet dein Geld aber bis zum Ende der Laufzeit. Bei Tagesgeld von Banken aus anderen EU-Ländern greift die Einlagensicherung des jeweiligen Landes.
- USA und Großbritannien: In den USA sichern die FDIC bei Banken und die NCUA bei Credit Unions 250.000 $ pro Person, Institut und Kontokategorie ab. In Großbritannien schützt der FSCS seit dem 1. Dezember 2025 bis 120.000 £ pro Person und zugelassenem Institut; die Grenze gilt pro Institut, auch wenn es unter mehreren Marken auftritt.
- Anderswo: In der Schweiz schützt die Einlagensicherung bis 100.000 Franken pro Person und Bank, in Kanada die CDIC 100.000 kanadische Dollar pro Einlagenkategorie und Mitgliedsinstitut. Prüf die Einlagensicherung deines Landes.
Was nicht passt: Aktien, Fonds und ETFs, Kryptowährungen und alles, dessen Wert genau dann fallen kann, wenn du das Geld brauchst. Die FDIC zählt Aktien, Anleihen, Investmentfonds und Krypto-Anlagen ausdrücklich zu den Produkten, die sie nicht absichert. Konten, die dein Geld sperren oder eine frühe Auszahlung bestrafen, passen ebenfalls schlecht.
Schritt für Schritt aufbauen
Von null auf 6.000 € kann unerreichbar wirken, deshalb zählen Etappenziele. Mach 1.000 € zum ersten. So lange dauert es bei verschiedenen Monatsbeträgen:
| Monatlich gespart | Bis 1.000 € | Bis 6.000 € |
|---|---|---|
| 50 € | 20 Monate | 120 Monate |
| 100 € | 10 Monate | 60 Monate |
| 200 € | 5 Monate | 30 Monate |
| 300 € | 4 Monate | 20 Monate |
50 €
Bis 1.000 €20 Monate
Bis 6.000 €120 Monate
100 €
Bis 1.000 €10 Monate
Bis 6.000 €60 Monate
200 €
Bis 1.000 €5 Monate
Bis 6.000 €30 Monate
300 €
Bis 1.000 €4 Monate
Bis 6.000 €20 Monate
Mit monatlichen Überweisungen allein geht es langsam. Einmalige Geldeingänge beschleunigen alles: eine Steuererstattung, eine Prämie, Geld zum Geburtstag. Die CFPB rät, eine Steuererstattung ganz oder teilweise zu sparen; in Deutschland bieten sich dafür auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld an.
- 1Ziel ausrechnenDrei Monate an notwendigen Kosten, mehr bei schwankendem Einkommen. Schreib die Zahl auf.
- 2Erstes Etappenziel setzen1.000 € oder ein Monat an notwendigen Kosten, wenn sich das greifbarer anfühlt.
- 3Separates Konto eröffnenMit Einlagensicherung, jederzeit verfügbar und am besten ohne Karte.
- 4Dauerauftrag einrichtenAm Zahltag, und seien es 25 €. Erhöh ihn bei jeder Gehaltserhöhung ein Stück.
- 5Sonderzahlungen umleitenDie Hälfte jeder Erstattung oder Prämie geht in den Notgroschen, bis das Ziel erreicht ist.
Ausgangspunkt ist dein Monatsbudget: Es zeigt, wie viel Spielraum du wirklich hast. Hast du noch keins, dauert unsere Methode, ein Monatsbudget aufzustellen, etwa eine Stunde. In Großbritannien legt der Staat bei niedrigem Einkommen mit Help to Save 50 Pence pro gespartem Pfund drauf, wie in unserem Ratgeber zum Geldsparen erklärt.
Ist es wirklich ein Notfall?
Das Schwierige ist nicht das Sparen, sondern die Finger davon zu lassen. Die CFPB räumt ein, dass nicht jede unerwartete Ausgabe ein echter Notfall ist, bittet aber um Konsequenz. Drei Fragen reichen: Ist es unerwartet, notwendig und dringend?
- Unerwartet: Ich konnte nicht wissen, dass diese Kosten diesen Monat kommen
- Notwendig: Ohne sie leiden meine Gesundheit, mein Zuhause, mein Job oder meine Sicherheit
- Dringend: Es kann nicht warten, bis ich dafür gespart habe
- Ein Sonderangebot, eine Reise oder ein Geschenk erfüllt keine dieser Bedingungen
Ein paar konkrete Fälle:
- Ja: Das Auto, mit dem du zur Arbeit fährst, geht kaputt; eine Zahnarztrechnung nach einem Notfall; ein Wasserrohrbruch; eine Einkommenslücke nach einer Kündigung.
- Nein: die jährliche Versicherungsprämie, die Grundsteuer, Weihnachtsgeschenke, Schulsachen. Sie sind vorhersehbar und gehören in Rücklagen.
- Grauzone: ein kurzfristiger Flug zu einem kranken Angehörigen. Die drei Fragen helfen, die Entscheidung triffst du.
Nach dem Ernstfall: den Notgroschen auffüllen
Den Notgroschen zu nutzen ist kein Scheitern. Genau dafür ist er da. Der Fehler ist, ihn nicht wieder aufzufüllen.
Angenommen, Jonas’ Autoreparatur kostet 750 € und sein Notgroschen sinkt von 6.000 € auf 5.250 €. Drei Regeln:
- Auffüllen geht vor anderen Sparzielen. Setz die Urlaubskasse notfalls ein paar Monate aus.
- Leg Tempo und Datum fest. Mit 125 € im Monat dauert es 6 Monate, mit 250 € 3 Monate.
- Überdenk das Ziel. Kosten Überraschungen regelmäßig mehr als geplant, ist der Notgroschen vielleicht zu klein. Und eine Ausgabe, die jedes Jahr wiederkommt, verdient eine eigene Rücklage.
Leg 125 € zurück in den Notgroschen
Bereit: +125 € für dein Ziel „Notgroschen“. Du stehst bei 5.500 € von 6.000 €, 92 %. Noch vier solche Einzahlungen, und er ist wieder voll. Speichern?
Du kannst dir auch eine monatliche Erinnerung zum Zahltag einrichten.
Binome360 kostenlos testenIn Binome360 hat ein Sparziel einen Namen, einen Betrag, ein Datum und einen Fortschrittsbalken. Jede Einzahlung tippst du in einem Satz ein, und gespeichert wird erst, wenn du bestätigst. Die App verbindet sich nicht mit deiner Bank und bewegt nie Geld: Die Überweisung machst du selbst. Sie zeigt dir, wo du stehst, und erinnert dich jeden Monat. Greifst du in den Notgroschen, trägst du die Entnahme beim Ziel ein, und Name, Zielbetrag oder Datum kannst du jederzeit ändern.
Häufige Fragen
Erst Notgroschen aufbauen oder erst Schulden tilgen?
Eine einzige Antwort gibt es nicht, und dieser Ratgeber kann keine persönliche Beratung ersetzen. Ein verbreiteter Weg: einen kleinen Puffer behalten, etwa das erste Etappenziel von 1.000 €, damit die nächste Überraschung nicht direkt im Dispo landet, und zusätzliches Geld in die teuerste Schuld stecken. Wachsen dir die Schulden über den Kopf, wende dich an eine Schuldnerberatung, etwa bei Wohlfahrtsverbänden, Kommunen oder Verbraucherzentralen; dort ist die Beratung oft kostenlos.
Ist der Dispo ein Notgroschen?
Nein. Der Dispo oder eine Kreditkarte kann eine Lücke überbrücken, aber solange du im Minus bist, kostet das Zinsen, oft noch Monate nach dem Notfall. In den USA würden laut SHED 15 % der Erwachsenen einen Notfall von 400 $ auf die Kreditkarte nehmen und in Raten abzahlen.
Soll ich den Notgroschen als Bargeld zu Hause aufbewahren?
Ein kleiner Bargeldbetrag hilft, wenn die Kartenzahlung ausfällt. Für den Rest schützt ein abgesichertes Konto vor Verlust und Diebstahl und bringt Zinsen.
Ein Notgroschen oder zwei für ein Paar?
Beides funktioniert. Ein gemeinsamer Notgroschen passt zu gemeinsamen Kosten, und jede Person kann zusätzlich einen kleinen eigenen Puffer behalten. Wichtig ist, dass ihr euch über den Zielbetrag einig seid und darüber, was als Notfall zählt. Unser Ratgeber zum Budget als Paar zeigt die verschiedenen Modelle.
Was mache ich, wenn das Ziel erreicht ist?
Hör auf einzuzahlen und leite den Dauerauftrag auf deine anderen Ziele um. Überprüf den Zielbetrag einmal im Jahr oder wenn sich dein Leben ändert: ein Baby, ein Umzug, ein neuer Job.
Kurz gesagt
Ein Notgroschen wird in Monaten an notwendigen Kosten bemessen, meist zwei bis sechs, und liegt auf einem separaten, abgesicherten, jederzeit verfügbaren Konto. Du baust ihn in Etappen auf, nutzt ihn nur für echte Notfälle und füllst ihn danach als Erstes wieder auf. Erster Schritt: Rechne einen Monat an notwendigen Kosten zusammen, nimm ihn mal drei und richte heute einen Dauerauftrag zum Zahltag ein, und seien es nur 25 €.
Quellen
- Board of Governors of the Federal Reserve System, Economic Well-Being of U.S. Households in 2025 (SHED), Mai 2026: federalreserve.gov.
- Financial Conduct Authority, Financial Lives 2024: Key findings from the FCA’s Financial Lives May 2024 survey, 2025: fca.org.uk.
- MoneyHelper, „How much to save for an emergency“: moneyhelper.org.uk.
- Consumer Financial Protection Bureau, „An essential guide to building an emergency fund“: consumerfinance.gov.
- FDIC, „Deposit insurance at a glance“: fdic.gov.
- NCUA, „Share insurance coverage“: ncua.gov.
- FSCS, „Deposit limit“: fscs.org.uk.
- Richtlinie 2014/49/EU über Einlagensicherungssysteme: eur-lex.europa.eu; CDIC, „What’s covered“: cdic.ca.
- GOV.UK, „Help to Save“: gov.uk/get-help-savings-low-income.
Für Deutschland: Verbraucherzentrale, „Zwei bis drei Monatsgehälter gehören für Notfälle aufs Tagesgeldkonto“, 12. Februar 2026 (verbraucherzentrale.de); Einlagensicherungsgesetz (EinSiG).
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