Die kurze Antwort
- Ein Nullbasis-Budget verteilt das gesamte Geld, das du hast, bevor du es ausgibst: Einnahmen minus geplante Ausgaben minus Sparen = 0.
- „Null“ heißt null Euro ohne Aufgabe, nicht null auf dem Konto. Sparen und ein Puffer für Überraschungen sind auch Aufgaben.
- Die Methode stammt aus der Unternehmensfinanzierung (Peter Pyhrr, Texas Instruments, 1970) und wurde erst viel später auf Haushaltsbudgets übertragen.
- Bei schwankendem Einkommen verplanst du nur Geld, das schon eingegangen ist, nie Geld, das du erwartest.
- Es braucht mehr Vorbereitung als die 50/30/20-Regel, dafür verlässt kein Euro dein Konto ohne Entscheidung.
Unser Ratgeber zum Haushaltsbuch führen stellt das Nullbasis-Budget in ein paar Zeilen neben anderen Methoden vor. Hier gehen wir es komplett durch, mit einem Monat, der auf den Euro genau aufgeht.
Woher Zero-Based Budgeting kommt
Die Methode entstand in der Wirtschaft. Peter Pyhrr, damals Manager bei Texas Instruments, setzte sie dort ein und beschrieb sie 1970 in einem Artikel der Harvard Business Review mit dem Titel „Zero-base budgeting“. Die Idee: Statt das Budget des Vorjahres zu nehmen und ein paar Prozent draufzuschlagen, startet jede Abteilung bei null und begründet jede einzelne Ausgabe.
Jimmy Carter führte sie 1973 als Gouverneur im Haushalt des Bundesstaats Georgia ein und wies 1977 als Präsident die Bundesbehörden an, sie zu nutzen. Auf Bundesebene wurde sie später wieder aufgegeben, auch weil sie so viel Vorbereitung kostete. Diese Kritik gilt im Kleinen auch für private Budgets.
Die Version für die privaten Finanzen haben US-amerikanische Budget-Coaches bekannt gemacht. Die Budget-Software YNAB machte daraus ihre erste Regel: „Give every dollar a job“, gib jedem Dollar eine Aufgabe. Ramsey Solutions fasst es als „Einnahmen minus Ausgaben gleich null“ zusammen. Beide beschreiben dasselbe Prinzip, und du brauchst kein bestimmtes Werkzeug dafür. Ein Notizbuch reicht.
Was „null“ bedeutet (und was nicht)
Das ist das häufigste Missverständnis. Null ist nicht dein Kontostand. Es ist die Summe an Geld ohne Aufgabe.
- Hast du 2.900 € und verteilst 2.800 €, haben 100 € keine Aufgabe. Das Budget steht nicht auf null, und diese 100 € versickern wahrscheinlich, ohne dass du entschieden hast, wohin.
- Überweist du 250 € auf deinen Notgroschen, haben diese Euro eine Aufgabe. Sie sind nicht „ausgegeben“, aber verplant.
- Ein Posten „Unvorhergesehenes“ über 100 € ist eine Aufgabe. Sein Zweck ist genau das, was du nicht vorhersehen kannst.
Ein Nullbasis-Budget kann also Hunderte Euro auf deinem Girokonto liegen lassen, solange jeder davon einen Grund hat, etwa eine Rücklage für die Jahresrechnung der Versicherung.
Die Methode in sechs Schritten
- 1Starte mit dem Geld, das du hastZähl zusammen, was für diesen Monat schon auf dem Konto ist, plus sichere Einnahmen. Keine erhoffte Prämie.
- 2Liste deine Pflichten aufMiete, Strom, Versicherungen, Abos, Mindestraten: alles, was du auf jeden Fall zahlen musst.
- 3Unregelmäßige Kosten einplanenTeil jede jährliche oder gelegentliche Rechnung durch 12 und plane diesen Betrag monatlich ein: Rundfunkbeitrag, Geschenke, Urlaub, Reparaturen.
- 4Sparen und Sondertilgungen festlegenNotgroschen, Sparziele, zusätzliche Tilgung. Das kommt vor den Wünschen.
- 5Den Rest bis auf null verteilenLebensmittel, Essen gehen, Kleidung, Taschengeld, ein Puffer. Auch der letzte Euro braucht einen Posten.
- 6Im Laufe des Monats umverteilenEine Kategorie läuft über? Nimm Geld aus einer anderen. Die Summe ändert sich nicht; sie bleibt bei null.
Schritt 3 macht den Unterschied. Seltene Kosten bringen Budgets zum Kippen: Eine Studie im Journal of Consumer Research (Sussman und Alter, 2012) zeigte, dass Menschen gerade außergewöhnliche Ausgaben unterschätzen. Durch 12 geteilt werden sie zu Monatsposten wie alle anderen. Im Englischen heißen solche Rücklagen „Sinking Funds“.
Ein ganzer Monat, durchgerechnet
Tobias wohnt in Dortmund und bekommt jeden Monat 2.900 € netto. Diesen Betrag verteilt er komplett: Jeder Euro bekommt eine Aufgabe.
| Posten | Betrag | Art |
|---|---|---|
| Warmmiete | 950 € | Pflicht |
| Strom | 70 € | Pflicht |
| Handy und Internet | 55 € | Pflicht |
| Haftpflicht und Hausrat | 20 € | Pflicht |
| Kreditrate (Minimum) | 150 € | Pflicht |
| Lebensmittel | 420 € | Alltag |
| Mobilität (Deutschlandticket, Carsharing) | 90 € | Alltag |
| Gesundheit (Zuzahlungen, Apotheke) | 30 € | Alltag |
| Rücklage Rundfunkbeitrag und Jahresabos | 20 € | Unregelmäßig |
| Rücklage Fahrrad und Reparaturen | 40 € | Unregelmäßig |
| Rücklage Weihnachtsgeschenke | 60 € | Unregelmäßig |
| Urlaubskasse | 150 € | Unregelmäßig |
| Notgroschen | 250 € | Sparen |
| Sondertilgung Kredit | 100 € | Sparen |
| Essen gehen | 150 € | Wunsch |
| Streaming und Apps | 30 € | Wunsch |
| Kleidung | 70 € | Wunsch |
| Taschengeld | 105 € | Wunsch |
| Spenden | 40 € | Wunsch |
| Unvorhergesehenes | 100 € | Puffer |
| Gesamt verteilt | 2.900 € |
Warmmiete
Betrag950 €
ArtPflicht
Strom
Betrag70 €
ArtPflicht
Handy und Internet
Betrag55 €
ArtPflicht
Haftpflicht und Hausrat
Betrag20 €
ArtPflicht
Kreditrate (Minimum)
Betrag150 €
ArtPflicht
Lebensmittel
Betrag420 €
ArtAlltag
Mobilität (Deutschlandticket, Carsharing)
Betrag90 €
ArtAlltag
Gesundheit (Zuzahlungen, Apotheke)
Betrag30 €
ArtAlltag
Rücklage Rundfunkbeitrag und Jahresabos
Betrag20 €
ArtUnregelmäßig
Rücklage Fahrrad und Reparaturen
Betrag40 €
ArtUnregelmäßig
Rücklage Weihnachtsgeschenke
Betrag60 €
ArtUnregelmäßig
Urlaubskasse
Betrag150 €
ArtUnregelmäßig
Notgroschen
Betrag250 €
ArtSparen
Sondertilgung Kredit
Betrag100 €
ArtSparen
Essen gehen
Betrag150 €
ArtWunsch
Streaming und Apps
Betrag30 €
ArtWunsch
Kleidung
Betrag70 €
ArtWunsch
Taschengeld
Betrag105 €
ArtWunsch
Spenden
Betrag40 €
ArtWunsch
Unvorhergesehenes
Betrag100 €
ArtPuffer
Gesamt verteilt
Betrag2.900 €
Art
Verfügbar 2.900 €, verteilt 2.900 €: Noch zu verteilen sind 0 €.
Mitte des Monats, zwei Überraschungen. Nach einem Abend mit Freunden liegen die Lebensmittel 60 € über Plan. Tobias nimmt 60 € aus „Essen gehen“: Lebensmittel 480 €, Essen gehen 90 €. Dann braucht sein Fahrrad eine neue Kette und einen neuen Mantel: 140 €. Der Posten „Unvorhergesehenes“ deckt 100 €, die restlichen 40 € kommen aus „Kleidung“, die auf 30 € sinkt. Die verteilte Summe liegt weiter bei 2.900 €. Das Budget steht weiter auf null, und weder Notgroschen noch Urlaubskasse wurden angetastet.
Das ist der Kern der Methode: Überziehen ist kein Scheitern, sondern eine Entscheidung zum Umverteilen.
Zu Sonderzahlungen: Bekommst du Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder ein 13. Gehalt, bau dein normales Budget ohne diese Beträge. Gib jeder Sonderzahlung stattdessen eine eigene Aufgabe, zum Beispiel Notgroschen, Urlaubskasse oder eine Sondertilgung.
Schieb 60 € von Essen gehen zu Lebensmittel
Bereit: Budget Lebensmittel 420 € → 480 €, Budget Essen gehen 150 € → 90 €. Deine Gesamtsumme bleibt gleich. Aktualisieren?
Nichts ändert sich, bevor du bestätigst. Die App schickt keine Warnungen bei Überschreitungen; dein wöchentlicher Check fängt die Lücke auf.
Kostenlos testenBei schwankendem Einkommen
Freiberufler, Selbstständige, Saisonkräfte, Menschen mit Minijobs oder Plattformaufträgen: Das Nullbasis-Budget funktioniert auch für euch, mit einer strengen Bedingung. Du verteilst nur Geld, das tatsächlich eingegangen ist. Eine verschickte Rechnung ist erst Einkommen, wenn sie bezahlt ist.
Nimm Selin, freiberufliche Entwicklerin. Nachdem sie die Steuer zurückgelegt hat, brachten ihr die letzten sechs Monate 3.200 €, 5.100 €, 2.700 €, 4.400 €, 6.000 € und 3.500 €. Summe: 24.900 €, im Schnitt 4.150 €. Ihr schwächster Monat: 2.700 €.
Zwei Ansätze, die du nacheinander umsetzen kannst:
- Mit dem Minimum planen. Selin baut ein Nullbasis-Budget über 2.700 €, das ihre Pflichten und einen Grundbedarf im Alltag abdeckt. Jeder Euro über 2.700 € geht auf ein Pufferkonto.
- Dir selbst ein Gehalt zahlen. Sobald auf dem Pufferkonto mindestens ein Monat an Ausgaben liegt, gehen alle Einnahmen zuerst dorthin, und Selin überweist sich am 1. jedes Monats 3.400 €. Weil das unter ihrem Schnitt liegt (4.150 €), wächst das Pufferkonto im Mittel um 750 € im Monat und fängt die mageren Monate ab.
YNAB nennt das seit Langem „age your money“: vom Einkommen des Vormonats leben statt von dem des laufenden Monats. Das ist ein Ziel, keine Voraussetzung für den Start.
Nullbasis-Budget und Umschläge: eine Logik, zwei Werkzeuge
Ein Nullbasis-Budget legt fest, wie viel jede Kategorie bekommt. Die Umschlagmethode setzt diese Beträge durch: Ist der Umschlag fürs Essen gehen leer, ist Schluss damit bis zum nächsten Monat. Beides passt ganz natürlich zusammen.
- Mit Bargeld: Heb den Betrag für deine Alltagskategorien ab (Lebensmittel, Essen gehen, Taschengeld) und verteil ihn auf beschriftete Umschläge.
- Digital: Die Budgets pro Kategorie in einer App wirken wie virtuelle Umschläge. Jede Ausgabe, die du einträgst, verringert den passenden Umschlag.
Nullbasis-Budget oder 50/30/20?
Die 50/30/20-Regel gibt drei grobe Anteile vor; ein Nullbasis-Budget legt jeden Posten fest. Das schließt sich nicht aus: Du kannst in einem Nullbasis-Budget 20 % Sparquote anpeilen.
| Nullbasis | 50/30/20 | |
|---|---|---|
| Vorbereitung | 20–60 Min. pro Monat | 10 Min., einmalig |
| Detailtiefe | Jede Kategorie | Drei Töpfe |
| Unregelmäßige Kosten | Posten für Posten eingeplant | Separat geregelt |
| Schwankendes Einkommen | Funktioniert gut, wenn du nur Eingegangenes verteilst | Weniger genau |
| Hauptrisiko | Aufgeben aus Erschöpfung | „Wünsche“ fressen still alles auf |
| Ideal, wenn | du Schulden abbaust oder Geld „verschwindet“ | du anfängst und einen einfachen Rahmen willst |
Vorbereitung
Nullbasis20–60 Min. pro Monat
50/30/2010 Min., einmalig
Detailtiefe
NullbasisJede Kategorie
50/30/20Drei Töpfe
Unregelmäßige Kosten
NullbasisPosten für Posten eingeplant
50/30/20Separat geregelt
Schwankendes Einkommen
NullbasisFunktioniert gut, wenn du nur Eingegangenes verteilst
50/30/20Weniger genau
Hauptrisiko
NullbasisAufgeben aus Erschöpfung
50/30/20„Wünsche“ fressen still alles auf
Ideal, wenn
Nullbasisdu Schulden abbaust oder Geld „verschwindet“
50/30/20du anfängst und einen einfachen Rahmen willst
Typische Fehler
- Die verteilte Summe entspricht genau dem Geld, das du hast
- Jahresrechnungen sind durch 12 geteilt und eingeplant
- Es gibt einen Posten „Unvorhergesehenes“, auch einen kleinen
- Kein erwartetes Einkommen ist schon als eingegangen verbucht
- Barausgaben haben einen eigenen Posten
- Es gibt ein Taschengeld, das du nicht rechtfertigen musst
Drei weitere Fallen:
- Zu viele Kategorien. Vierzig Posten heißen vierzig Chancen zum Überziehen. Fünfzehn bis zwanzig reichen meist.
- Das Girokonto bis auf den letzten Euro leeren. Ein kleines Polster auf dem Konto erspart dir Dispozinsen, wenn eine Lastschrift früher abgebucht wird als gedacht.
- Nach einer Überschreitung aufgeben. Eine Überschreitung korrigierst du durch Umverteilen, nicht indem du das Budget wegwirfst.
Vorlage zum Kopieren
NULLBASIS-BUDGET — MONAT ________
Verfügbares Geld diesen Monat: ______ €
(schon eingegangen oder sicher, nichts Erhofftes)
1. Pflichten (Miete, Strom, Versicherungen, Raten) : ______ €
2. Alltag (Lebensmittel, Mobilität, Gesundheit) : ______ €
3. Rücklagen (Jährliches ÷ 12: Geschenke, Urlaub …) : ______ €
4. Sparen und Sondertilgungen : ______ €
5. Wünsche (Essen gehen, Freizeit, Taschengeld) : ______ €
6. Unvorhergesehenes : ______ €
Gesamt verteilt (1 bis 6): ______ €
Noch zu verteilen (verfügbar − gesamt): 0 €
Umverteilungen diesen Monat:
____ € von ________ zu ________
Häufige Fragen
Muss mein Konto am Monatsende auf 0 € stehen?
Nein. Die Null bezieht sich auf Geld ohne Aufgabe. Auf deinem Konto kann Geld liegen, das für Rücklagen oder als Polster verplant ist.
Was mache ich mit Geld, das am Monatsende übrig ist?
Gib ihm im Budget des nächsten Monats eine Aufgabe: Sparen, eine Sondertilgung oder ein Übertrag in dieselbe Kategorie. Entscheide es bewusst, statt es im nächsten Monat untergehen zu lassen.
Wie viel Zeit kostet ein Nullbasis-Budget?
Etwa eine Stunde im ersten Monat. Danach kopierst du den Plan des Vormonats und passt ihn an: 20 bis 30 Minuten, dazu ein wöchentlicher Check von 15 Minuten.
Funktioniert Zero-Based Budgeting auch für Paare?
Ja, wenn ihr das Budget zusammen aufstellt und vereinbart, wer was umverteilen darf. Unser Ratgeber zu Finanzen als Paar zeigt Wege, die Kosten aufzuteilen.
Kurz gesagt
Ein Nullbasis-Budget gibt jedem Euro eine Aufgabe, bevor der Monat beginnt, Sparen und Überraschungen eingeschlossen. Entscheidend ist kein perfekter Plan, sondern dass du bei einer Überschreitung umverteilst, statt sie zu ignorieren. Erster Schritt: Kopier die Vorlage oben und trag bei „Verfügbares Geld“ ein, was heute wirklich auf deinem Konto ist.
Quellen
- Peter A. Pyhrr, „Zero-base budgeting“, Harvard Business Review, Bd. 48, Nr. 6, November–Dezember 1970, S. 111–121.
- Jimmy Carter, „Memorandum for the Heads of Executive Departments and Agencies on Zero-Base Budgeting in the Executive Branch“, 27. April 1977, The American Presidency Project: presidency.ucsb.edu.
- Wikipedia, „Peter Pyhrr“ und „Zero-based budgeting“ (Sekundärquellen für das Jahr 1973 in Georgia und das Ende auf Bundesebene): en.wikipedia.org/wiki/Zero-based_budgeting.
- YNAB, „Give Every Dollar a Job“: ynab.com/the-four-rules.
- Ramsey Solutions, „How to Make a Zero-Based Budget“: ramseysolutions.com.
- Abigail B. Sussman und Adam L. Alter, „The Exception Is the Rule: Underestimating and Overspending on Exceptional Expenses“, Journal of Consumer Research, 39(4), 2012.
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